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Meret Oppenheim Mondmärchen 1974

Meret Oppenheim

Mondmärchen

1974
Tusche auf Papier
Rahmenmass: 69 x 54 x 2 cm; Objektmass: 40.8 x 32.2 cm
Kunsthaus Zug
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Auf Meret Oppenheims Werk «Mondmärchen» aus dem Jahr 1974 sind ein Mond mit Gesicht und Sterne sogleich augenfällig. Zentral auf dem Blatt sind vierbeinige Tiere sichtbar, einige scheinen bereits im freien Fall begriffen zu sein. Eine monolithische Struktur auf der rechten Blattseite sowie eine wellenförmige Form an der linken Seite der unteren Blattkante dienen als Anknüpfungspunkte für eine Umrahmung der Szenerie. Räumliche Tiefe wird durch Achsen und Linien angedeutet, die den Eindruck von Dreidimensionalität vermitteln. Die Tiere wirken, als seien sie in Bewegung. Die Augen des Mondes scheinen aufmerksam auf die Szene zu blicken. Dadurch erhält das Dargestellte eine lebendige, sanft dynamische Wirkung. Durch die rätselhafte Anordnung der Elemente sowie die unvollkommene Geometrie bleibt der Bildinhalt schwer zu deuten. Losgelöst von rein logischen oder ausschliesslich ästhetischen Überlegungen schafft diese Darstellung eine Atmosphäre, die von traumhafter Suggestivkraft geprägt ist.

Neben einzelnen Bildelementen weist auch der Titel «Mondmärchen» auf eine nächtliche, traumhafte Welt hin. Titel und Darstellung entziehen sich damit einer rein rationalen Erklärung. Möchte man dennoch einen Deutungsversuch des Dargestellten unternehmen, bietet sich der Blick auf Meret Oppenheims Verhältnis zum Traum an. Der hohe Stellenwert des Geträumten lässt sich bei Oppenheim daran erkennen, dass die Künstlerin ihre Träume in allen Lebensabschnitten protokollierte. Sie nutzte ihre Träume als Instrument und Inspirationsquelle für ihre Kunst. So könnte man die rätselhafte Kombination auf dem Blatt «Mondmärchen» als Übersetzung eines Traumes auf das Papier verstehen.

Die Beschäftigung mit den Themen Nacht und Traum lässt sich auch aus Oppenheims Auseinandersetzung mit dem Surrealismus ableiten. Im Surrealismus galten die Nacht und das Geträumte als wichtige Quellen der Erkenntnis. Dennoch scheint Meret Oppenheim über die rein surrealistischen Ideen hinauszugehen. Die Surrealisten experimentierten häufig mit einer widersprüchlichen Kombination von Werk und Titel, um den Betrachter über einen rein rationalen Zugang zum Kunstwerk hinauszuführen. Oppenheim dagegen steigert durch ihren Titel «Mondmädchen» den traumhaften Eindruck, den das Dargestellte vermittelt. Das Groteske und Unanschauliche verstärkt sich hier durch die Titelgebung. Und doch trägt der Titel nicht dazu bei, das Dargestellte eindeutig zu identifizieren.

Text: Melanie Heit

Stimme Nr.1_Meret Oppenheim_Mondmärchen
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