Richard Tuttle (geb. 1941) konzentrierte sich auf das Museumsinnere und stellte seine experimentellen Aktivitäten unter die bildtheoretische Fragestellung ‹Replace the Abstract Picture Plane›. Der mit sensiblen, ephemeren Kleinobjekten berühmt gewordene Künstler entwickelte für Zug überraschend vier sehr grosse Werke aus Stoff, Holz, Metall, Stein und Draht. Tuttle brachte sein unvergleichliches Kreativitätspotential zu voller Entfaltung. Alle Arbeiten unterscheiden sich grundlegend von einander und stehen dennoch in einem vielfältigen Beziehungsfeld, das der aufmerksame Betrachter individuell generieren kann. Dieses bindet auch das gesamte Gebäude ein und verwandelt es in einen künstlerischen Erfahrungsraum. Die Metall-Stein-Skulptur ‹Replace the Abstract Picture Plane II› ist im Kunsthaus-Garten permanent zugänglich. In der Sammlung befinden sich auch ‹Replace I, III und IV›, Modelle und Entwürfe des renommierten Amerikaners sowie der umfassende Fotoessay von Guido Baselgia.


Richard Tuttle (*1941)
Replace the Abstract Picture Plane I, 1996
Projekt Sammlung (1)
Baumwollstoff, Sperrholz, Schnur, Ösen, Tempera
100 x 4400 x 15 cm

 


Richard Tuttle (*1941)
Replace the Abstract Picture Plane II, 1997
Projekt Sammlung (2)
Aluminium und Marmor
460 x 90 x 55 cm

 


Richard Tuttle (*1941)
Replace the Abstract Picture Plane III, 1998
Projekt Sammlung (3)
Holz, Draht, Acryl
80 x 400 x 150 cm

 


Richard Tuttle (*1941)
Replace the Abstract Picture Plane IV, 1999
Projekt Sammlung (4)
Acryl auf Holz
40 Teile, je 40,5 x 40,5 x 5 cm

 


Projekt Sammlung (5)
Richard Tuttle – The Use of Time
14. September bis 23. November 2008

Fast zehn Jahre nach dem Abschluss eines aussergewöhnlichen gemeinsamen Projektes kehrte Richard Tuttle mit der Ausstellung ‹The Use of Time› ins Kunsthaus Zug zurück. Im Rahmen von ‹Projekt Sammlung› schuf der 1941 geborene amerikanische Künstler, dessen Oeuvre keine linearen Entwicklungen kennt, zwischen 1996 und 1999 für eine eindrückliche Ausstellungsreihe im Kunsthaus Zug vier markante, sehr unterschiedliche Werke: ‹Replace the Abstract Picture Plane I – IV›. Nun wurden diese Arbeiten wieder integral präsentiert. Richard Tuttle stellte ihnen neu geschaffene eigene Arbeiten gegenüber, die ohne die lang andauernde Kooperation mit dem Kunsthaus Zug nie entstanden wären: einerseits eine monumentale, dreidimensionale Arbeit aus Metall und Polyester und anderseits eine stupende Werkgruppe aus farbigen Tüchern, die zusammen ‹Replace the Abstract Picture Plane V› bilden. Dazu zeigte Tuttle eine konzentrierte Werkauswahl von Fritz Wotruba aus der Stiftung Sammlung Kamm, die auf die permanent installierten skulpturalen Arbeiten Wotrubas und Richard Tuttles im Aussenraum vor und hinter dem Kunsthaus Zug verwiesen. Die Ausstellung hinterfragte die Schnelllebigkeit des heutigen Kunstbetriebes und warf Fragen nach dem Umgang mit der Ressource Zeit auf: ‹The Use of Time›.


Photos: Guido Baselgia