Preis für Vermittlung visueller Kunst

Das Kunsthaus Zug mobil wurde von Visarte Schweiz und vom Schweizerischen Kunstverein mit dem Preis für Vermittlung visueller Kunst in der Schweiz ausgezeichnet. Es wird im Sommer 2008 anlässlich der Ausstellung ‹Auslandsbeziehungen. Junge Architekten aus Deutschland› beim Weltkongress der Union Internationale des Architectes in Turin vorgestellt werden.

Ansprache anlässlich der Preisverleihung für Vermittlung visueller Kunst in der Schweiz an das Projekt Kunsthaus Zug mobil am Samstag, 12. Januar 2008 im Kunsthaus Zug von Christian Brändle, Direktor des Museums für Gestaltung, Zürich

Meine sehr verehrte Damen und Herren, Lieber Matthias Haldemann

Zum ersten Mal vergeben die Visarte.schweiz und der Schweizerische Kunstverein einen Preis für die Vermittlung visueller Kunst. Vermittlung ist ja eine der Hauptaufgaben der Museen und davon gibt es in unserer Schweiz doch eine ganze Menge: Über 900 Museen zählt unser Land und natürlich nicht alle segeln auf dem weiten Ozean der visuellen Kunst. Aber unzählige Häuser haben sich die Vermittlung gross auf die Flagge geschrieben, denn Vermittlungsarbeit gehört nun Mal zu den Kernaufgaben musealer Tätigkeit.

Wie gesagt: Die Anzahl aber eben auch die Bandbreite und insbesondere auch die Grösse dieser Museen variiert enorm. Das stattliche Kunsthaus Zürich, sozusagen der Luxusdampfer der Premiumklasse dieser Museen, steht mit seinen 7’410m2 zusammen mit dem Kunstmuseum Basel an der Spitze, zumindest flächenmässig. Im Mittelfeld dieser Skala tummeln sich mittelgrosse Schiffe, viele kleinere Häuser die zum Teil ganz erstaunliche Arbeit leisten, denken wir zum Beispiel an Aarau, Glarus, Zug oder Thun. Und dann, ganz am Ende dieser Skala der Grössenverhältnisse liegt das Kunsthaus Zug Mobil, das mit seinen 30,5 m2 meines Wissens das kleinste aller Museen der Schweiz ist. Natürlich sinkt mit der Grösse des Hauses -etwas global gesprochen- auch die Grösse der Budgets und die Möglichkeiten der Vermittlungsarbeit.

Was also tun? Wie kann sich ein so kleines Haus in einem doch einigermassen heiss umkämpften Umfeld behaupten? Die Lösung dazu hat das Kunsthaus Zug in den letzten 6 Jahren kontinuierlich aufgebaut. Im Gegensatz zu den etablierten und grossen Kunsthäusern die bisweilen etwas behäbig vor sich hintuckern, gleicht das Kunsthaus Zug mobil einem „Zodiac-Schnellboot“, dass unerwartet aus den Mangroven hervorschnellt und sich in bester Guerillatechnik sein Terrain erobert: Der Container des Kunsthaus Zug mobil tritt eigentlich immer dort auf, wo man ihn nicht erwarten würde. Im Dorfzentrum von Steinhausen, hinter dem Bahnhof Rotkreuz, plötzlich im Hof des Museum für Gestaltung Zürich aber eben auch in der Abgeschiedenheit des Klosters Schönthal bei Langenbruck im Baselbiet.

Dies ist sicherlich eine der primären Qualitäten dieses Ausstellungsraumes. Seine Mobilität, seine Agilität. Stellen Sie sich vor, dieser Container wäre seit Jahren fix installiert – irgendwo in der Schweiz aufgestellt und ausgestattet mit allen behördlichen Bewilligungen und amtlichem Segen. Ein Schauerszenario, dass mit grösster Wahrscheinlichkeit niemand ernsthaft interessieren würde.

Ganz anders verhält es sich nun aber mit unserem ersten Preisträger. Das Kunsthaus Zug mobil bietet stetig unerwartete Inhalte an eigentlich unmöglichen Orten.  Und deswegen
fällt es auf. Und damit ist ein erster wichtiger Schritt in der Vermittlungsarbeit geleistet.

Dieser Container ist zwar klein, wird aber abhängig vom örtlichen Kontext, am Waldrand beispielsweise, als gross, mindestens aber als fremd wahrgenommen. Und dies zieht nun alle an. Das Kunsthaus Zug mobil erreicht mit dieser Technik ein Publikum, dass sich normalerweise zu grossen Teilen die „visuelle Kunst“ vom Leibe zu halten weiss und meist einen Bogen um die einschlägigen Ausstellungsorte macht.

Also hat das Team des Kunsthaus Zug diese Logik umgedreht und erwartet nicht, dass die Leute zum Kunsthaus kommen, sondern das Kunsthaus geht zu ihnen. Und dies scheint mir ein zweiter wichtiger Punkt der Vermittlungsarbeit zu sein: Das Kunsthaus Zug mobil baut Brücken und macht einem den Besuch sehr einfach! Konsequent gratis und gleich vor der Haustüre, wer kann da widerstehen?

Sind die Gäste erstmal im Ausstellungsraum drin kommt nun der dritte und wichtigste Pfeiler der Vermittlungsarbeit zum tragen: Die Inhalte. Und auch da leistet das Kunsthaus Zug hervorragende Arbeit. Denn im mobilen Ausstellungsraum sind kleine aber feine Ausstellungen zu sehen, die oftmals sehr spezifisch auf den Ausstellungsort, und den temporären Umraum, ausgelegt sind und die immer einen besonders klugen Umgang mit dem an sich knorrigen und extravagant proportionierten Ausstellungsraum zeigen.

Diese Art von Kunstvermittlung öffnet Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen einen neuen Weg zur Kunst und regt zu einem vielfältigen Dialog mit den gezeigten Arbeiten an. Dabei wird die Wahrnehmungsfähigkeit des Einzelnen gefördert und geistige, emotionale und schöpferische Erfahrungen werden ermöglicht

All diese Ingredienzien haben nun die Geschichte des Kunsthaus Zug mobil zu einer veritablen Erfolgsstory werden lassen, eine Geschichte die ich Ihnen in knappster Form zusammengefasst gerne kurz erläutern will:

Mit der Schenkung der phantastischen Sammlung Kamm zur Wiener Moderne musste das Kunsthaus Zug einen Weg finden, wie es seine 10 Ausstellungsräume erweitern könnte. Die Studie einer jungen Architektengruppe aus Düsseldorf mit dem klingenden Namen „Gruppe Baukunst Rheinflügel“ förderte die Idee einer Erweiterung in den öffentlichen Raum zutage. Dass diese Erweiterung in der doch etwas ungewohnten Form eines mobilen Containers ermöglicht wurde ist der Vision und dem Mut der „Stiftung der Freunde Kunsthaus Zug“ zu verdanken. Diese Stiftung nahm doch ein beträchtliches Risiko auf sich als sie 2002 diesen Container eröffnete. Auch der Stiftung sei an dieser Stelle gratuliert und gedankt!

Die Finanzierung des Containers wurde über die ersten 5 Jahre abgeschrieben, wir befinden uns also seit einigen Tagen in der Phase der Zugaben. Bisher hat das „Kunsthaus Zug mobil“ 23 mal „Halt“ gemacht und jedes Mal ist eine neue, grosse Vermittlungsarbeit zu leisten: Denn, wie mir Matthias Haldemann  verraten hat, ist die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und deren Vorschriften und den Bewilligungsämtern fast aufwändiger als die inhaltliche Arbeit an der jeweiligen Ausstellung im Container.

Als nächster Standort ist doch übrigens in Singapore geplant, da ist es zwar verboten auf den Boden zu spucken aber einen Container aufstellen das darf man offensichtlich, wenn man geschickt vermittelt zumindest.
Eine Reise nach Singapore! Zum ersten Mal wird der Container also seiner Ursprünglichen Funktion entsprechend mit einem Hochseefrachter verschifft, wird über Rotterdam hinab zum Kap der Guten Hoffnung tuckern, zieht vorbei an Madagaskar, umkreist von krähenden Möwen und umgeben von hunderten anderer Container die auf der Hinfahrt zu einem rechten Teil Leer sind. Wir wünschen dem Container eine gute Reise und freuen uns auf seine Rückkehr!

Mir bleibt es dem Kunsthaus Zug und seinem Direktor Matthias Haldemann zu gratulieren, für diesen Preis aber auch ansonsten für seine Vermittlungsarbeit. Denn das Programm dieses Hauses strahlt weit über die Kantonsgrenzen hinaus und gehört zum besten der Schweizer Kunstlandschaft.

Ich bitte nun Matthias Haldemann zur Preisübergabe zu mir, ich darf Ihm symbolisch die Arbeit  „Wellenbrecher” von Daniel Ruggiero aus Lausanne übergeben. Herzliche Gratulation!

Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren danke ich für Ihre Aufmerksamkeit, ich darf nun das Wort zum Abschluss nochmals an Herrn Dr. Peter Studer übergeben.

-besten Dank.