Zeit und Raum
Hommage an Peter und Christine Kamm

Das Kunsthaus Zug wäre heute ein anderes, wenn sich das Ehepaar Fritz und Editha Kamm-Ehrbar nicht mit dem österreichischen Bildhauer-Emigranten Fritz Wotruba in Zug befreundet hätte. Wotruba beriet das Paar beim Aufbau ihrer Privatsammlung, die heute als Stiftung Sammlung Kamm die bedeutendste Kollektion Wiener Moderne in Europa ausserhalb Österreichs umfasst. Und die zur relevanten Stellung des Kunsthaus Zug im Kunstbetrieb beiträgt.

Die Ausstellung «Zeit und Raum» thematisiert das Verhältnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Im Zentrum steht das Wirken des Zuger Ehepaars Christine und Peter Kamm, der Sohn von Fritz und Editha Kamm-Ehrbar. Für ihn als Architekten und für sie als Kunsthistorikerin waren sowohl die Zeit wie auch der Raum wichtiger Bestandteil ihrer Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur. Werke ihrer privaten Sammlung, die mitten in ihrer Wohnung Teil des Lebens war, zeigt das Kunsthaus Zug nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit.

Werke von Piranesi, Josef Hoffmann oder Maria von Uchatius überraschen ebenso wie Arbeiten von Roni Horn, Richard Long, Brigitte Kowanz, Roman Signer oder Kurt Sigrist. Auch Anna Margrit Annen, Guido Baselgia, Helena Krähenbühl, Albert Merz oder Hanna Villiger sind in Zug bekannte Namen, die zur Sammlung des Ehepaars Kamm gehören. Diese verbindet somit die Geschichte mit der Gegenwart, die Region mit der Welt.

Christine und Peter Kamm verknüpften das Sammeln bildender Kunst mit einem breiten Spektrum kultureller Aktivitäten. Dies verrät eine ganzheitliche Sicht auf Tradition und Innovation, Natur und Urbanität. Als Hommage zeigt die Ausstellung die verschiedenen Facetten ihres kulturellen Engagements für Zeit und Raum.

Kuratiert von Dr. Matthias Haldemann, Direktor

 

Die Ausstellung wird grosszügig unterstützt von:

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Stiftung Sammlung Kamm
WWZ Energie AG, Zug

 

ZuZug digital

Feierabend-Zoom

8. Juni: Pavel Pepperstein, Moskau, und Prof. Dr. Tomáš Glanc, Professor für Slawistik, Universität Zürich, im Gespräch mit Matthias Haldemann

 

 

10. Juni: zu Tomas Kratky. Dr. Josef Helfenstein, Direktor Kunstmuseum Basel und Vesna Bechstein, Künstlerin und Witwe des Künstlers Tomas Kratky, Burgdorf, im Gespräch mit Matthias Haldemann und Nina Schweizer, wissenschaftliche Volontärin und Ko-Kuratorin.

Emilia Kabakov im Gespräch mit Sandra Winiger
Am 29. März 2021

 

 

Péter Nádas im Gespräch mit Matthias Haldemann
Am 8. März 2021

 

Rundgang mit Direktor/Kurator
Weitere Einblicke
Vermittlungsteam berichtet
Umbau-Team richtet ein

Zur Ausstellung ein Video-Essay von Carlos Lügstenmann in Kooperation mit arttv.ch

Essay zur Einführung in die Ausstellung

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ZuZug aus Osteuropa

Unbekannt, fremd, anders. Als der eiserne Vorhang fiel und den Kalten Krieg einleitete, rückte «Osteuropa» in weite Ferne. Dieser – geografisch, politisch und kulturell unkorrekte – Begriff fasst die damalige Zweiteilung der Welt in «den Osten» und «den Westen» in einem Wort zusammen. Obwohl Länder wie Tschechien, Polen, Ungarn und Russland geographisch nahe liegen, erscheinen sie oft noch heute fern.

Die neue Sammlungsausstellung «ZuZug aus Osteuropa» richtet ihren Blick auf dieses Unbekannte und zeigt zum ersten Mal grössere Werkgruppen mittel- und osteuropäischer Kunstschaffender mehrerer Generationen. Während die letzte Ausstellung «BeZug» die Sicht auf Zug thematisierte, dreht «ZuZug» den Spiess um und blickt von «Innen» nach «Aussen». Dabei schliesst der Blick auf das Fremde das Eigene stets mit ein: Wie man etwas erlebt und betrachtet, geschieht immer vor dem Hintergrund der eigenen Lebenswelt.

Geradezu beispielhaft für den Perspektivenwechsel stehen etwa die Werke von Guido Baselgia und Jan Jedlička: Der ehemalige Wahlzuger Baselgia richtete seine Kamera auf den russischen Künstler Pavel Pepperstein und dessen Freunde im Kunsthaus Zug. Gegenüber die Porträts Jan Jedličkas von westlichen Kunstschaffenden im Kunst Museum Winterthur wie Gerhard Richter, Sol LeWitt und Roni Horn. Ein Kontrast von «West» und «Ost». Und während die tschechischen Künstler Pravoslav Sovak, Jan Jedlička und Tomas Kratky in die Schweiz kamen aus Anlass der niedergeschlagenen Reformbewegung des Prager Frühlings 1968, ging der Appenzeller Künstler Roman Signer den umgekehrten Weg. Er studierte in Warschau Kunst und heiratete die Künstlerin Aleksandra Rogowiec.

Die Ausstellung «ZuZug» zieht nicht nur eine Linie von «West» nach «Ost», sondern verbindet auch verschiedene Generationen und Sichtweisen: Etwa das zeichnerische Schaffen Josef Hoffmanns, der in Böhmen aufwuchs und ein wichtiger Architekt und Designer der Wiener Moderne ist. Aus Ungarn Péter Nádas mit Fotografien eines Birnbaums und des Himmels, welche die Zeit und Veränderung thematisieren. Das Künstlergespräch zwischen Ilya Kabakov, Boris Groys und Pavel Pepperstein aus der ehemaligen Sowjetunion. Und Werke von Annelies Štrba, deren Grossvater aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Baar und Zug kam.

Nicht zuletzt bezieht sich «ZuZug» auch auf gegenwärtige Proteste, Aufstände und revolutionäre Geschehnisse in Polen, Russland, Ungarn, Weissrussland und der Ukraine. Freiheit und Toleranz, Weggang und Flucht bleiben als Themen schmerzlich aktuell.

Kuratiert von Matthias Haldemann und Nina Schweizer

 

Die Ausstellung wird grosszügig unterstützt von:

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LANDIS & GYR STIFTUNG
Zuger Kantonalbank

Ausstellungsansichten


 

Richard Gerstl

Richard Gerstl (1883–1908) setzte sich mit der internationalen Kunst auseinander, die er in der Wiener Secession und in der Galerie Miethke zu sehen bekam. Ebenso wichtig für seine kritische und rebellische Haltung dürfte seine hohe Wertschätzung für die neue Musik und den Kreis rund um den Komponisten Arnold Schönberg, aber auch die Beschäftigung mit Literatur, Sprache und Philosophie gewesen sein. Für seine Zeitgenossen war das Schaffen des jungen Künstlers zu radikal. Er konnte zu Lebzeiten kaum Ausstellungen realisieren und nahm sich im Alter von nur 25 Jahren das Leben. Erhalten blieben etwa achtzig Arbeiten.

Heute gilt Gerstl als der erste österreichische Expressionist und seine wegweisenden Arbeiten fanden in den letzten Jahren immer mehr internationale Beachtung. Die Wiederentdeckung von Gerstl ist eng mit dem Kunsthaus Zug verbunden: Als künstlerischer Leiter der Galerie Würthle, die Fritz und Editha Kamm-Ehrbar in Zug gehörte, erwarb Fritz Wotruba Gerstls Nachlass. Wotruba und Kamms trugen mit Ausstellungen und Leihgaben massgeblich zur Bekanntheit des Künstlers bei. Das Kunsthaus Zug betreut die zweitgrösste Gerstl Sammlung nach dem Leopold Museum in Wien.

Die Ausstellung ‹Richard Gerstl. Inspiration – Vermächtnis› setzt den Künstler ins Verhältnis zu nachfolgenden Generationen. Wie haben diese ab 1960 auf den Künstler reagiert? Gegenüberstellungen etwa mit Werken von Günter Brus und Otto Muehl, aber auch mit zeitgenössischen Positionen betonen die Aktualität von Gerstls expressivem Schaffen. Das damalige künstlerische Umfeld wird mit Werken von Künstlern wie Gustav Klimt, Edvard Munch und Egon Schiele aus der eigenen Sammlung skizziert. Die Ausstellung übersetzt die historischen Positionen in die Gegenwart und zeigt die Sprengkraft von Gerstls Werk bis heute. ‹Richard Gerstl. Inspiration – Vermächtnis› entstand in Kooperation mit dem Leopold Museum, Wien, begleitend dazu ist eine gemeinsame Publikation erschienen.

Kuratiert von Matthias Haldemann, Direktor

Fotos: Jorit Aust Photography
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Kunsthaus Zug
Dorfstrasse 27
CH-6301 Zug
Tel +41 (0)41 725 33 44
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