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Max von Moos

Abstrakte Komposition

1935
Öl und Tempera auf Holz
Objektmass: 44.5 x 36.5 cm
Kunsthaus Zug, Schenkung Peter Thali
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Mit der Arbeit «Abstrakte Komposition» von 1935 erprobt Max von Moos die Möglichkeiten abstrakter Malerei, ohne sich ihr dauerhaft zu verschreiben. Diese Auseinandersetzung vollzieht sich im unmittelbaren zeitgenössischen Umfeld abstrakter Strömungen der 1930er-Jahre, mit denen von Moos durch Ausstellungen, kunsttheoretische Debatten und persönliche Kontakte vertraut war. In dieser Zeit machte er auch Bekanntschaft mit dem sechs Jahre jüngeren Hans Erni, der sich bereits in jungen Jahren der Künstlervereinigung «Abstraction-Création» anschloss und in engem Austausch mit Vertretern der internationalen abstrakten Avantgarde stand.

Vor diesem Hintergrund lässt sich die Bildsprache der «Abstrakten Komposition» als bewusste formale Erkundung lesen. Das Gemälde zeigt eine schwebende Konstellation organisch anmutender Formen, die sich überlagern, durchdringen und rhythmisch gegeneinander verschieben. Gegenständliche Anklänge treten in den Hintergrund, ohne vollständig zu verschwinden; die Formen bleiben von innerer Spannung und klarer struktureller Logik getragen. Die weich konturierten, vielfach gestuften Gebilde wirken wie ausgeschnittene Volumina, die sich auf einem dunklen Grund behaupten. Farbige Übergänge und Schichtungen erzeugen Tiefe und Bewegung, ohne einen illusionistischen Raum zu eröffnen. Die Komposition wirkt geschlossen und kontrolliert: Nichts verweist auf Zufälligkeit oder gestische Spontaneität, vielmehr scheint jede Form bewusst gesetzt, jede Überlagerung sorgfältig kalkuliert.

Max von Moos verbindet seine Auseinandersetzung mit der abstrakten Kunst eng mit theoretischen Überlegungen. In seinen Aufsätzen «Die kirchliche Malerei unserer Zeit» (1938) und «Die liturgische Gewandung unserer Zeit» (1939) fragt er danach, welche Bildsprachen dem sakralen Raum angemessen sind, und wendet sich gegen die unreflektierte Übernahme historischer wie zeitgenössischer Stilformen. Frühere Kunstrichtungen seien an vergangene Weltbilder gebunden, moderne Strömungen wie der Surrealismus dagegen zu stark auf subjektive Innenwelten ausgerichtet. Sakrale Kunst müsse sich aus innerer Notwendigkeit entwickeln und dürfe nicht im Persönlichen oder Erzählerischen aufgehen. Gerade für den sakralen Raum misst von Moos der abstrakten Form eine besondere Eignung zu, da sie auf festgelegte Darstellungen und individuelle Assoziationen verzichtet und Raum für Sammlung, Ordnung und geistige Konzentration schafft.

Blickt man abschliessend wieder auf Max von Moos’ bildnerisches Schaffen, zeigt sich, dass die Abstraktion in der Malerei ein bewusst eingesetztes und zeitlich begrenztes Mittel bleibt, während sie im zeichnerischen Werk eine kontinuierliche Rolle spielt. Die Zeichnung macht den Entstehungsprozess des Bildes unmittelbar sichtbar: Linien, Proportionen und Strukturen stehen offen nebeneinander, verdichten sich zu Formen und lösen sich wieder. In diesem offenen Prozess entwickelt sich eine Formensprache, die zwischen Abstraktion und Figuration oszilliert. Abstraktion erscheint bei von Moos hier nicht als festgelegter Stil, sondern als eine Arbeitsweise, mit der Formen vereinfacht, geordnet und dennoch in Beziehung zur Figur gehalten werden.

Text: Silvano Frei