11. September 2020 bis 14. Februar 2021

Richard Gerstl
Inspiration – Vermächtnis

Richard Gerstl, Die Schwestern Karoline und Pauline Fey, 1905, Belvedere, Wien

Düster, unheimlich, geheimnisvoll und komisch wirken die beiden weiss gekleideten Frauen. Das Bild der Schwestern Fey steht in krassem Gegensatz zu den Ornamenten und der Farbenpracht der Wiener Secessionisten und der Klimt-Gruppe. Zu radikal war denn auch das Schaffen des jungen österreichischen Künstlers Richard Gerstl (1883 – 1908) für seine Zeitgenossen. Er konnte daher zu Lebzeiten kaum ausstellen. Im Alter von 25 Jahren nahm er sich das Leben.

Heute gilt Gerstl als der erste österreichische Expressionist und seine wegweisenden Arbeiten fanden in den letzten Jahren immer mehr internationale Beachtung. Die Wiederentdeckung von Gerstl ist eng mit dem Kunsthaus Zug verbunden: Als künstlerischer Leiter der Galerie Würthle, die Fritz und Editha Kamm-Ehrbar in Zug gehörte, erwarb Fritz Wotruba Gerstls Nachlass. Wotruba und Kamms trugen mit Ausstellungen und Leihgaben massgeblich zur Bekanntheit des Künstlers bei. Heute betreut das Kunsthaus Zug die zweitgrösste Gerstl Sammlung nach dem Leopold Museum in Wien.

Die Ausstellung ‹Richard Gerstl. Inspiration – Vermächtnis› setzt den Künstler ins Verhältnis zu nachfolgenden Generationen. Wie haben diese ab 1960 auf den Künstler reagiert? Gegenüberstellungen etwa mit Werken von Günter Brus und Otto Muehl, aber auch mit zeitgenössischen Positionen betonen die Aktualität von Gerstls expressivem Schaffen. Das damalige künstlerische Umfeld wird mit Werken von Künstlern wie Gustav Klimt, Edvard Munch und Egon Schiele aus der eigenen Sammlung skizziert. Die Ausstellung übersetzt die historischen Positionen in die Gegenwart und zeigt die Sprengkraft von Gerstls Werk bis heute. ‹Richard Gerstl. Inspiration – Vermächtnis› entstand in Kooperation mit dem Leopold Museum, Wien, begleitend dazu ist eine gemeinsame Publikation erschienen.

Kuratiert von Matthias Haldemann